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Dr.
Henri Poschmann, Helmholtzstr. 27, 99425 Weimar, Tel.: (03643)
401414
Georg
Büchner Gesellschaft
Fronhof
Am Grün 1
35037 Marburg
Weimar,
1. Dezember 1999
An den
Vorstand
zur Mitteilung an die Mitglieder der Georg Büchner Gesellschaft
Austrittserklärung
Die Georg
Büchner Gesellschaft war 1979 zu dem gemeinnützigen Zweck
gegründet worden, Forschungen und Publikationen zu Leben und
Werk Büchners zu fördern. Die getrennten wissenschaftlichen
Aktivitäten zum Thema Büchner sollten Gelegenheit finden,
in eine produktivere Beziehung zueinander zu treten. - Die
Erwartung hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil. Die Büchner-Forschung
ist heute zerrissener, durch anmassende Kompetenzansprüche
und Verwicklungen in fruchtlose Streitereien gehemmter denn
je. Die Basis sachdienlicher Kooperativität ist nachhaltig
untergraben, das Klima vergiftet wie auf keinem anderen Forschungsgebiet
der Disziplin.
Heute
ist die Georg Büchner Gesellschaft nur noch der Büchner-Forschungsstelle
an der Universität Marburg dienlich als Feigenblatt für die
notorisch schuldig gebliebene Einlösung ihrer Projektversprechen.
Namentlich von Bänden einer "Historisch-Kritischen Büchner
Ausgabe" ist die Rede, als gäbe es sie, oder als hätte jemand
auch nur ein Bruchstück davon gesehen.
Durch
die Folgenlosigkeit ihrer permanenten Versprechen extra anspruchsvoller
Produktionen, wofür sie andauernd anders besser angebrachte
Fördergelder an sich zieht, hat die nun ebenfalls bald zwei
Jahrzehnte lang bestehende Marburger Forschungsstelle nicht
nur ihre Glaubwürdigkeit untergraben. In Mitleidenschaft gezogen
ist die ganze Innung. Noch und noch wiederholte Ankündigungen
angeblich bevorstehender fundamentaler Publikationen vernebeln
den tatsächlichen Forschungsstand, verunsichern und scheinen
dazu gedacht zu sein, befürchtete wissenschaftliche Konkurrenz
aufzuhalten. Ausfällige Polemiken, in private Schaukämpfe
à la Mayer contra Hauschild ausartende Zänkereien, wie auch
hinterhältig diskreditierende Unterstellungen schrecken potentielle
Autoren von Beiträgen zur Forschungsdiskussion davon ab, sich
auf das mittlerweile schon berüchtigte Terrain zu begeben.
Eigene
Erfahrung hat mich darüber belehrt, wie unter Missbrauch der
"zentralen Adresse für Anfragen aus dem In- und Ausland zu
Büchner" von Marburg aus die Desavouierung unabhängiger wissenschaftlicher
Bemühungen und die Boykottierung von Forschungsergebnissen
ohne den Segen der Zentrale betrieben werden.
Eine wirklich
erschienene kritische, ausführlich kommentierte Werk-Edition
wird nicht erst einer Kritik unterzogen, sondern von vornherein
als "nicht zitierbar" oder "unbrauchbar" abgestempelt, um
die Unentbehrlichkeit der eigenen einzig brauch- und zitierbaren
Ausgabe zu beschwören, die nur den einen offenbar bleibenden
Nachteil hat, dass es sie nicht gibt. Unterdessen wird weiter
nach unbestritten überholten Ausgaben zitiert, unbekümmert
um deren nachgewiesene Fehlerhaftigkeit. Wo möglich wird das
Prädikat "unbrauchbar" ohne jeden Mängelnachweis über den
nominellen Mitarbeiterkreis der gedachten "Historisch-Kritischen
Büchner Ausgabe" in die Presse lanciert. Auf welchem Niveau
der "Kritik" sich das abspielt, kann man dem Beitrag von Eske
Bockelmann in der FAZ vom 2. November 1999 entnehmen. Dem
Verfasser genügt eine wissentlich falsche Pauschalbehauptung,
die sich auf einen einzigen angeblichen Textfehler stützt,
der keiner ist, um einen Band von 1283 Seiten, und nebenbei
noch einen weiteren von 1018 Seiten, definitiv vom Tisch zu
wischen.
Sieben
Jahre lang hat die Georg Büchner Gesellschaft ebenso wie die
Büchner-Forschungsstelle keine Notiz vom ersten Band der bisher
umfassendsten Büchner-Gesamtausgabe (Frankfurt am Main 1992)
genommen. Eine Rezension im Jahrbuch ist, soweit mir bekannt,
auch nicht geplant. Mit dem Erscheinen des zweiten Bandes
der Ausgabe im September 1999 liegt Büchners Gesamtwerk in
neu erarbeiteten Texten umfassender als in allen bisherigen
Editionen und erstmals durchgehend kommentiert abgeschlossen
vor. Vermutlich wird die Marburger Doppelstrategie des öffentlichen
Ignorierens und klammheimlichen Schlechtmachens auch damit
wie gehabt fertigzuwerden suchen.
Die in
Personalunion mit der Leitung der Marburger Forschungsstelle
geführte Georg Büchner Gesellschaft sollte, meine ich, nicht
länger dazu herhalten, dem Eskapismus der Gralsritter von
der Lahn Vorschub zu leisten. Nach zwanzig Jahren Georg Büchner
Gesellschaft erscheint es mir für die Mitglieder an der Zeit
zu sein, Bilanz zu ziehen.
Ich erkläre
als Konsequenz aus dem hier abgekürzt Beschriebenen meinen
Austritt aus der Georg Büchner Gesellschaft und entziehe ihr
die Einzugsermächtigung zur Abbuchung von Beiträgen von meinen
Konto.
gez. Henri
Poschmann
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