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Philipps-Universität
Marburg
Institut
für Neuere Deutsche Literatur
Forschungsstelle Georg Büchner
und Georg Büchner Gesellschaft
Prof. Dr. Burghard Dedner
Am Grün 1 (Fronhof)
35037
Marburg / Lahn
11.
Januar 2000
Lieber
Herr Dedner,
Ihre
Entgegnung vom 20. Dezember 1999 auf die Erklärung meines
Austritts aus der Georg-Büchner-Gesellschaft geht mir zu leichthin
über die Beweggründe hinweg, die mich zu meinem Schritt veranlaßten,
als daß ich sie so stehen lassen könnte. Es ehrt Sie, daß
Sie einräumen, Sie könnten meine Enttäuschung ("Erbitterung"
schreiben Sie) über das gespannte Verhältnis, das sich nach
Jahren der Zusammenarbeit mit Ihrer Forschungsstelle entwickelt
hat, "sehr gut nachvollziehen". Um auf Ihre relativierend
daran anschließende Andeutung einzugehen, bedürfte diese allerdings
einer Konkretisierung und Bewertung in dem zeitgeschichtlichen
Kontext, in dem unsere Kooperation in die Brüche ging, als
das Erscheinen des ersten Bandes der Büchner-Gesamtausgabe
1992 im Deutschen Klassiker Verlag absehbar war.
Vor
allem aber erscheint es mir geboten, Ihnen den Anteil, den
Sie daran selbst zu verantworten haben, in Erinnerung zu rufen,
denn es waren durchaus nicht, wie Sie andeuten, lediglich
Differenzen zwischen mir und Herrn Mayer, die zum Abbruch
unserer Arbeitsbeziehungen führten, die wir ja gelegentlich
der Büchner-Konferenz an der Akademie in Berlin (Ost) 1988
unter schwierigen Bedingungen noch beachtlich ausweiten konnten.
Seit dem Herbst 1989 vollzogen Sie mit Ihren Mitarbeitern
eine Kehrtwendung gegen bis dahin von uns gemeinsam eingenommene
Forschungspositionen, wie man aus dem Georg Büchner Jahrbuch
7 (1991) ersehen kann. Dagegen wäre, bis auf die übergeschnappte
Polemik des Beitrags von Herrn Bockelmann in diesem Band des
Jahrbuchs, nichts zu sagen, wenn Sie mir Gelegenheit gegeben
hätten, in demselben Band meinen angegriffenen Standpunkt
zu vertreten. Das taten Sie nicht. Stattdessen ließen Sie
mich nach der Fertigstellung des Bandes für den Druck zu einem
Diskussionstreffen einladen, auf dem Sie eine alternative
Textkonstitution des Woyzeck präsentierten, die Sie anderen
vorab zusammen mit der Einladung zukommen ließen - nur mir
nicht! Zu der Zeit (Dezember 89) intervenierten Sie schon
offiziell beim Deutschen Klassiker Verlag gegen einen Anzeigetext
und forderten ein angebliches Recht auf Nennung Ihrer Forschungsstelle
auf der Impressumseite des ersten Bandes unsererer Ausgabe
ein. Unterdessen drohte Herr Mayer dem Verlag inoffiziell
Schritte zur gerichtlichen Unterbindung der Verbreitung der
Ausgabe an, für den Fall, daß sie unrechtmäßig angeeignete
Arbeitsergebnisse der Marburger Forschungsstelle enthielte.
Mit
Verdächtigungen, zu denen es keinerlei Veranlassung gab, und
dem Bestreben, das Vertrauensverhältnis des Verlages zu mir
zu stören, haben Sie schließlich die Ersetzung meines Dankwortes
für die Hilfeleistung Ihrer Forschungsstelle in der Druckvorlage
der Bandeinleitung durch die Formulierung, S. 425, durchgesetzt,
die eine übertriebene Vorstellung von Ihrer Unterstützung
und Hilfsbereitschaft zuläßt. Den Anspruch auf die Formulierung
meines Dankvermerks haben Sie aus einer früheren Übereinkunft
abgeleitet. Von deren Voraussetzung, nämlich Ihrer, bzw. Herrn
Mayers Zusage (am 24.7.1984 in Weimar und wiederholt am 13.3.1986
in Frankfurt), für meine, schon damals geplante Edition noch
unbekannte Dokumente und Quellenforschungen zur Verfügung
zu stellen, waren Sie aber nach 1989/90 abgerückt, als nur
noch Ihr und nicht mehr mein institutioneller Hintergrund
zur Absicherung unserer Kooperation zu berücksichtigen war.
In meinem Brief vom 19.9.1992 an Sie stellte ich den tatsächlichen
Zusammenhang der damaligen Vereinbarung, auf die Sie sich
nunmehr einseitig beriefen, klar. Ich komme auf diesen Punkt
besonders deshalb zurück, weil Herr Bockelmann jetzt auffälligerweise
ausgerechnet die - übrigens durch die weiterentwickelte Konzeption
der Ausgabe ohnehin überholte - Verlagsanzeige von damals,
deren Voraussetzung Sie so brüsk in Abrede gestellt hatten,
als vorangestelltes Kriterium seiner Kritik in der FAZ bemüht.
Meine,
von Ihnen als rhetorische Sprechblase abgetane Formulierung
"hinterhältig diskreditierende Unterstellungen"
kann ich durchaus noch mit mehr unbestreitbaren Tatsachen
erhärten. Dazu gehört die von Herrn Mayer selbst eingestandene
Mundpropaganda, zu der er die angemaßte Autorität Ihrer "zentralen
Adresse für Anfragen aus dem In- und Ausland zu Büchner"
benutzte, um Beratung suchenden Personen und Stellen, wie
z. B. der Dramaturgie eines Theaters, einzureden, der 1. Bd.
der neuen Edition enthalte auf jeder Seite so viele Fehler,
daß er unbrauchbar sei. Mir gegenüber benannte Herr Mayer
rund ein Dutzend "Versehen, Übertragungs- und/oder Druckfehler,
Inkonsequenzen usw.", die, wie er einräumte, "jedem
von uns passieren können". Die mehr als vierhundert übrigen,
für die diese Fehler als Beispiele stehen sollten, gehören
seit über sieben Jahren zu den streng gehüteten Geheimnissen
Ihrer Forschungsstelle. Sie teilen damit das Schicksal unter
anderem der Aktenentdeckungen zum Umkreis der politischen
Aktivitäten Büchners in 36 Bänden, die Herr Mayer vor zwanzig
Jahren spektakulär auf einer Pressekonferenz vorzeigte und
denen die Marburger Forschungsstelle Georg Büchner 1980 ihre
Einrichtung im Institut für Neuere Deutsche Literatur an der
Philipps-Universität verdankt. Aus diesem Fundus zu zitieren,
hat T. M. Mayer sich bis zum Abschluß der Marburger Historisch-kritischen
Ausgabe (was wohl heißen wird, bis in alle Ewigkeit) ausschließlich
selbst vorbehalten. Er tut es, wenn er es tut, ohne spezifische
Quellenangabe der Dokumente. Der einzig mögliche Zugang der
Forschung zu dem Geheimschatz besteht darin, die in der Regel
äußerst bruchstückhaften und vorzugsweise polemisch eingesetzten
Zitate Mayers unter der von ihm eingeführten Sammelbezeichnung
"Prozeß" nachzuzitieren.
Herr
Mayer hat seinen Urteilsspruch "nicht zitierfähig"
vom 31. 8.1993 (wiederholt am 20.12.1993) über den Bd. 1 der
Edition im DKV nicht, wie Sie behaupten, auf sechs Seiten
begründet. Der ganze Brief ist nur fünf Seiten lang, und Mayer
beklagt sich darin vorwiegend über Punkte meiner (übrigens
zurückhaltenden) Kritik an Schwächen seiner Arbeiten. Außerdem
bittet er mich in dem Brief in Ihrem Namen, meine abweichende
Einschätzung zu Ihrer Annahme nachträglicher Änderungen Büchners
am Ms. von Danton's Tod zu begründen. Was ich dann tat, ohne
eine Rückäußerung von Ihrer Seite zu erhalten. Auch auf meinen
Brief vom 14.9.1992 haben Sie mir nicht geantwortet, woran
mir außerordentlich viel gelegen sein mußte, wie Sie wissen.
Mayers Brief vom August 1993 enthält in Wirklichkeit lediglich
auf zwei Seiten die Bemängelung von rund einem Dutzend einzelner
Stellen in Bd. 1. Die einzige Anerkennung eines editionsphilologischen
Fortschritts, den der Band leistete, drückt sich in dem Brief
in der nonchalanten Nebenbemerkung aus, daß "einige Lesungen
und Entscheidungen des Danton-Textes mit unserem Ausdruck
für die HKA von 1990 übereinstimmen (gegenüber DT 1980/85)".
Was das heißt, kann jeder durch einen Vergleich der Danton-Drucke
nachprüfen, außer, was einen mysteriösen "Ausdruck für
die HKA von 1990" angeht.
Der
Brief Mayers, auf den Sie mich jetzt verweisen, war - das
muß noch dazu gesagt werden - nach dem Empfang von Belegstücken
des ersten Bandes des DKV-Büchner die erste Reaktion darauf
aus Marburg, nach einem dreiviertel Jahr völligen Ignorierens.
Mein ehemals freundschaftlich mit mir verbundener Kollege
Mayer ließ sich in diesem Brief erst nach einem Schwall bitterer
Klagen über Antworten, die ich Ihnen angeblich schon fast
ein Jahr lang schuldig geblieben wäre, dazu herab, wie zu
einer unverdienten Gnade, indem er großmütig befand: "Aber
ich will Dir dennoch wenigstens die Andeutung einer Antwort
auf die Büchersendung DKV geben." Und Sie selbst? Sie
haben mir bis heute nicht einmal andeutungsweise auch nur
den Empfang des ersten Bandes der Ausgabe bestätigt, den ich
Ihnen gegen Ende 1992 persönlich, neben dem Belegstück für
Ihre Forschungsstelle, zusenden ließ. Vielleicht enthielt
Ihnen selbst die Bezeichnung "Büchersendung DKV"
schon eine zu weitgehende Anerkennung der Existenz von etwas,
was nicht sein sollte. Noch jetzt können Sie sich nicht dazu
überkommen, von der "bisher umfassendsten Büchner-Gesamtausgabe"
anders als in Anführungszeichen zu sprechen. "In welcher
Weise, die Büchner-Gesellschaft hiervon hätte Notiz nehmen
sollen, weiß ich nicht", bekennen Sie etwas indigniert.
Ich hätte ja die Ausgabe mit dem ersten Band auf einer Mitgliederversammlung
vorstellen können, halten Sie mir nun vor, und bieten mir
großzügig an, dies jetzt, wo auch der zweite Band vorliegt,
"nachholen" zu können. Daß ich dazu nach allem,
was uns durch Ihr Verhalten trennt, nur nein danke sagen kann,
können Sie sich ja denken.
Zu
meinem Zweifel an Ihrer Aufrichtigkeit berechtigt mich noch
mehr als das schon Gesagte. Übereinstimmend mit dem damaligen
Verdikt von Herrn Mayer belegte Herr Bockelmann im November
1999 in der FAZ den zweiten Band der DKV-Ausgabe mit dem Prädikat
"unbrauchbar", ohne einen Beleg dafür anzugeben.
Gelegenheit, wenigstens ein einziges Beispiel für die fundamentalen
Textentstellungen aufzuspüren, die er mir vorwirft, hätte
er gehabt, denn schon seit Juli stand ihm ein Druckbogenexemplar
des Bandes zur Verfügung. Sie versichern mir, weder Sie noch
einer Ihrer Mitarbeiter seien an der Kritik Bockelmanns in
irgendeiner Weise beteiligt, und schreiben von ihm: "Er
vertritt seine eigene Meinung." Das mag sein, aber Sie
vertreten auch diese seine Meinung. Im Nachwort Ihrer 1999
etwa gleichzeitig mit Bockelmanns Kritik als Reclam-Taschenbuch
erschienenen Woyzeck-Ausgabe (S. 199) bekennen Sie sich zu
Bockelmanns, wie ich nach wie vor finde, ebenso ignoranten
wie anmaßenden, Beitrag im Büchner-Jahrbuch 7 (1991), als
"einem für die Textkonstitution <Ihrer> Ausgabe
grundlegenden Aufsatz". Sie zitieren da sogar Bockelmanns
für Textsortenunterschiede gänzlich blinde Argumentation,
nach der mein im Falle von Woyzeck praktiziertes Editionsprinzip,
"wenn man es auf Büchners philosophische Skripten anwenden
wollte, auch dort hessische ‚Dialekt'-formen produzieren müßte,
daß also Büchner auch den Philosophen Descartes mundartlich
referiert hätte". Genau das getan zu haben, unterstellt
mir Bockelmann allen Ernstes, ohne jede Grundlage dafür im
schwarz auf weiß Gedruckten. Nur eine sich aus der Realität
entfernende Wahrnehmung, die mit "Eskapismus" wohl
zutreffend zu bezeichnen ist, kann sich zu solch aberwitziger
Argumentation versteigen und über all die Jahre und Befunde
hinweg blind daran klammern.
Was
schlimmer ist: Sie täuschen nicht nur sich selbst, sondern
Sie versuchen auch andere zu täuschen. In dem zitierten Nachwort
datieren Sie (S. 186f.) meine 1984 vorgelegte Neubewertung
des Entstehungszusammenhangs der Woyzeck-Handschriften und
die darauf basierende Werkfassung vor auf 1992, das Erscheinungsjahr
von Bd. 1 der DKV-Ausgabe. Gleichzeitig behaupten Sie, meine
"Annahmen", also von angeblich erst 1992, wären
durch T. M. Mayer "zwingend widerlegt". Den Ort
dieser Widerlegung geben Sie an anderer Stelle (S. 176, Anm.
2) an mit "Georg Büchner Jahrbuch 9, 1995-99 [im Druck]".
Im Druck? So wie vieles andere aus Ihrem Haus, das nie wirklich
erschien, eine irritierende Wirkung aber oft dennoch nicht
verfehlte? Es kommt ja schon eine hübsche kleine Bibliographie
solcher gar nicht erschienenen Publikationen, besonders von
T. M. Mayer, zusammen. Die etwas verlegene telefonische Auskunft
vom Max Niemeyer Verlag heute lautet, nach längeren Verzögerungen,
die nicht der Verlag zu verantworten habe, rechne man "noch"
damit, daß Jahrbuch 9 bis Mitte 2000 erscheinen könne. Warten
wir's ab. Eine Widerlegung, auf die man sich beruft, um ein
Buch aus dem Verkehr zu verweisen, das sich, jetzt in der
7. Aufl. als insel-taschenbuch, auf dem Markt behauptet, sollte
nicht, bevor sie vorliegt und überprüft werden kann, schon
als "zwingend" vollzogen erklärt werden. Zumindest
sollte bei der Gelegenheit die temporäre Existenz des ‚Widerlegten'
bis dahin nicht verschwiegen werden. Nach Gerhard Schmids
Archiv-Veröffentlichung 1981 führte eben die 1984 zuerst im
Insel-Verlag Leipzig erschienene Einzelausgabe von mir einen
neuen Stand der Woyzeck-Edition herbei. Die Büchner-Gesellschaft
hatte diese Ausgabe deshalb, wie Sie sich wohl noch erinnern
werden, als Jahresgabe 1985 an ihre Mitglieder vergeben. Zahlreicher
Verbesserungen, die sie erbrachte, darunter eine ganze Reihe
neu erschlossener Lesungen, bedienen sich seither auch andere
Ausgaben, wenn auch nicht immer korrekt ausgewiesen, angefangen
von der Münchner Ausgabe ab 1988, die "für zahlreiche
Hinweise und textkritische Korrekturen" T. M. Mayer dankt,
über Mayers Lesefassung zu der Comic-Ausgabe von 1990, die
Sie für Ihre Reclam-Studien-Ausgabe von 1999 übernehmen. Nicht
nur in der Übersicht über die "Editionsgeschichte"
(S. 190-193) in Ihrem Nachwort unterschlagen Sie die Insel-Einzelausgabe,
Sie erwähnen sie auch an keiner anderen Stelle, obwohl Sie
deren im wesentlichen in die DKV-Ausgabe übernommenen Text
Ihren direkt entgegensetzen. Damit betrügen Sie unbewanderte
Käufer Ihrer Ausgabe um die Möglichkeit des Vergleichs, die
gerade eine Studienausgabe nicht ausblenden dürfte, noch dazu
wenn sich eine andere Ausgabe in ebenso leicht erschwinglichem
Taschenbuch-Format dazu anbietet.
Das
ist nicht anständig von Ihnen, lieber Herr Kollege. Und es
ist auch eher dumm als schlau, denn so plump zu übertölpeln
sind alle anderen ja nun auch nicht. Sie schreiben mir, Sie
wären 1994 einer Aufforderung, den ersten Band der DKV-Ausgabe
zu rezensieren, nicht nachgekommen, weil dies "in der
Öffentlichkeit den Verdacht hätte erregen können, daß hier
ein Konkurrent einen anderen zu verdrängen suche." Diesem
Verdacht haben Sie sich selbst schon lange ausgesetzt, und
Sie haben ihn auch selbst vollauf als begründet bestätigt.
Es versteht sich fast von selbst, daß Sie in Ihrer Lage der
DKV-Ausgabe "einen wesentlichen editorischen Fortschritt
gegenüber früheren Ausgaben" nicht bescheinigen mögen.
Der wichtigste Umstand, mit dem Sie die Notwendigkeit des
Projekts Ihrer Marburger Edition in der Denkschrift von 1984
begründeten - "eine abgeschlossene kritische und kommentierte
Gesamtausgabe liegt nicht vor" -, ist entfallen. Und
damit können Sie sich natürlich nur schwer abfinden.
Zu
Ihrem Rechtfertigungsversuch verweise ich im übrigen nur noch
einmal auf den Kernpunkt der Kritik. Mit Ihren uneingelösten
Projektversprechen belasten Sie schon 20 Jahre lang das begrenzt
etatierte Potential germanistischer Forschung und Edition
und werben dafür erhebliche Fördermittel ein, ohne öffentliche
Rechenschaft über ein fundiertes Konzept abzulegen. Auf die
Beanstandung der Diskrepanz zwischen Ihren anspruchsvollen
Ankündigungen und den anhaltend ausbleibenden Ergebnissen
antworten Sie mit erneut weiter in die Zukunft hinausgeschobenen
Ankündigungen, wie schon zu oft, und lassen Herrn Mayer sich,
in einer SPIEGEL-Meldung, "entzückt" im Besitz
eines neuen Bestecks zeigen, das die Geheimnisse der Woyzeck-Handschriften
definitiv zu lüften verspricht. Wieder ein Versprechen und
kein Ergebnis. In den Jahren 1985-1995 sollte Ihre Edition
des angeblich nur "auf den ersten Blick schmalen Werks"
Büchners in 12 plus x Bänden abgeschlossen sein. Erschienen
sind noch nicht einmal die von Ihnen für den Planungszeitraum
1984-87 angekündigten Prolegomena, geschweige denn ein einziger
Band einer Marburger Ausgabe. Wie lange wollen Sie die Büchner-Gesellschaft,
die Geldgeber und die interessierte Öffentlichkeit noch hinhalten?
Gestehen Sie endlich das Scheitern des hybriden Unternehmens
Ihrer "Historisch-kritischen Ausgabe der Sämtlichen Werke
und Schriften Georg Büchners" ein. Vergraulen Sie der
Fachwelt nicht länger das Thema Büchner, hören Sie auf, Lehrende
und Studierende, die Verlage, die Kritik, die Medien und das
allgemeine Lesepublikum über die Textgrundlagen der Rezeption
zu irritieren und durch Ihre Destruktionen die Wirkung des
Autors zu behindern, als dessen privilegierte Sachwalterin
Ihre Forschungsstelle allen Kredit verspielt hat, wenn sie
überhaupt eine Lizenz dazu hatte.
Ich
gehe davon aus, daß Sie den Mitgliedern der Büchner-Gesellschaft
meine Austrittserklärung mit Ihrer Rückäußerung und dieser
Erwiderung zur Kenntnis bringen.
Mit
freundlichem Gruß
gez.
Henri Poschmann
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