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Prof. Dr. Burghard Dedner,
Philipps-Universität, Forschungsstelle Georg Büchner,
D-35032 Marburg, dednerb@mailer.uni-marburg.de
Sehr geehrte Damen und Herren!
Herr Bockelmann schickt mir folgendes Statement zur Vorgeschichte
und Intention seiner Rezension der
Büchner-Ausgabe von Henri Poschmann. Wie auf der Mitgliederversammlung
der Georg Büchner-Gesellschaft
am 4. November 2000 angekündigt, bringe ich Ihnen dieses Statement
zur Kenntnis.
B. Dedner
Dr. Eske Bockelmann
Statement in der Sache Poschmann (u. a.) vs. FGB
Erstens: Ich habe Ende letzten Jahres den zweiten Band von
Poschmanns Büchner-Gesamtausgabe rezensiert
für die F.A.Z. Vermittelt hatte ein guter Freund, der zu jener
Zeit regelmäßig Rezensionen für diese Zeitung schrieb,
ein Mensch namens Burkhard nein, nicht Dedner, sondern: Müller;
ein Mensch, der zwar gute Verbindungen zur
F.A.Z. unterhält, keine jedoch zur Forschungsstelle Georg Büchner,
nicht zur Büchner-Gesellschaft, nicht zu
Thomas Michael Mayer, nicht zu Burghard Dedner, oder wen auch immer
man sonst noch mit Marburg in
Verbindung bringen wollte. Ihre Entscheidung über die Rezensionsvergabe
hat die F.A.Z.-Redaktion in Kenntnis
meines Aufsatzes zum Problem der Woyzeck-Edition getroffen. Es sitzen
in dieser Zeitung überraschenderweise
also Leute, die allen Ernstes wissenschaftliche Einwände gegen
ein unfundiert-falsches Editionsverfahren der
Beachtung für wert halten, wenn es um eine Werkedition geht,
die zwar dieses Verfahren, aber keinen der
Einwände dagegen beachtet.
Zweitens: Ich habe mit Thomas Michael Mayer, nachdem mir
die Rezension aufgetragen war, mehrfach mittels
Telephon und Briefen Kontakt gehabt, einen Kontakt, der nicht mir,
leider aber ihm übel bekommen ist, da es
darin verdächtigerweise durchaus auch um Poschmanns Edition
ging. Von diesem Kontakt habe ich glücklicherweise
keine Ansteckung, aber doch zwei Informationen davongetragen, die
in meine Rezension eingegangen sind:
wie der Verlag Poschmanns Ausgabe angekündigt hatte; und wie
Hauschilds Biographie in der F.A.Z. rezensiert
worden war; beide Informationen sind der Öffentlichkeit ungehindert
zugänglich. Alles andere an Poschmanns
Edition war ich, so seltsam es anmuten mag, selber in der Lage und
willens zu beurteilen.
Drittens: Ich habe tatsächlich ein Urteil in der Frage,
wie man Büchner edieren und wie man seinen Woyzeck
insbesondere nicht zu edieren habe. Dieses Urteil ist seit
beiläufig zehn Jahren nachzulesen (GBJb 7) und, wie man
an Differenzen zu Thomas Michael Mayers damals gleichzeitiger Position
zu erkennen vermöchte, vollständig auf
meinem eigenen Mist gewachsen. Dieses Urteil hat der Redaktion des
F.A.Z.-Feuilletons vorgelegen, es hat sie
dazu bestimmt, mich mit der Rezension zu beauftragen, und dieses
Urteil sollte bis in den letzten verschliffenen
Bogen von Büchners Handschrift hinein kennen, wer in dieser
Frage oder in dem trüben Zusammenhang, zu dem
sie jetzt verzerrt wurde, das Wort erhebt. Denn diesem Urteil weicht
ein Poschmann aus und wer wie er den
Vorwurf eines Machtmißbrauchs durch den sattsam bekannten
FGB/GBG-Filz daraus ableitet , diesem Urteil
weicht er aus, indem er es nicht als die wissenschaftliche Argumentation
über richtig und falsch wahrnimmt, als
welches es nachlesbar ist, sondern als dirigistische Maßnahme
gegen einen lieben Mann. Er nennt es einen Schaden
für die gesamte Zunft oder etwas ähnlich national Verantwortungsvolles.
Ich dagegen bin weiterhin des Urteils,
daß es einen Affenschande ist, den Woyzeck und Büchners
Handschrift allgemein so zu edieren, wie ihn schon
viele, keiner aber schlimmer als Poschmann ediert hat. Und nenne
es nunmehr eine verächtliche Finte, daß da einer
anstelle der Editionsfrage ein Komplott festgestellt wissen will,
der zwar Büchner ediert verdammt nochmal:
Büchner, und nicht Heinrich Böll oder sonst etwas
in der Preislage , aber noch nie einen einzigen Satz über
das
Verfahren geäußert hat, nach dem er dessen Handschrift,
divinatorisch, deutet. Allein die Tatsache diese Stillschweigens
dürfte selbst die Zunft, die er anruft, nicht dulden: Eine
Edition, die darüber nicht Rechenschaft abzulegen vermag, ist
schon deshalb unbrauchbar. Und anstatt die zehn Jahre, die inzwischen
verstrichen sind, dazu zu nutzen, meine
ausführliche und mühsam kleinteilige Argumentation einmal
zu widerlegen, zu kommentieren, zu kritisieren, also
irgendetwas in der Sache zu äußern, wozu er als
Wissenschaftler und Editor verpflichtet wäre, bricht
er sein in
Editionsfragen so bruchloses Stillschweigen nur, um den Mund für
den Satz aufzureißen: Da will mir jemand bös!
Und, noch einmal lachhafter, der Böse bin nicht ich, der ich
seine Edition nach wie vor unbrauchbar nenne, sondern
nein, da müssen Seilschaften, da müssen improbi,
da müssen Feinde aller Guten am Werk sein, die mich als ihr
williges,
willen- und gedankenloses Werkzeug nur vorschieben. Ich sage: Das
sollte er nicht wagen, mir von Angesicht zu
Angesicht zu sagen! Wer jene Leistung, die ich durchaus mit Stolz
und Empfindlichkeit für mich alleine beanspruche
und Dedner und Mayer, die damals erfolglos versuchten, meiner Heftigkeit
in der Sache entgegenzuwirken, wissen,
mit wieviel Recht ich dies tue , die Leistung nämlich, ein
entscheidendes Problem in Büchners Woyzeck-Handschrift
geklärt zu haben; wer also sie nicht anerkennen mag
und meine Argumentation folglich für widerlegbar halten muß,
der mag auftreten und sie und mich widerlegen anstatt
ein lachhaftes Wissenschaftspolitikum daran zu hängen und
von üblen Machenschaften zu raunen. Wem es verdächtig
ist, daß der Stand der Wissenschaft in dieser Frage nicht
mehr derjenige Poschmanns von vor zehn Jahren sein soll Poschmann
orakelt da etwas von dem ominösen Jahr 89:
ja, die Wessis! , der mag bedächtig genug sein, sich mit der
Sache anstatt mit der erhellenden Frage zu befassen:
Wo sitzen die Bösen, die da die Fäden ziehen?
Kurz: Ich finde es degoutant, wenn Poschmann und nunmehr
auch andere in einer Frage, die sich wissenschaftlich
beantworten läßt, zetern, da würde wissenschaftlicher
Komment mit Füßen getreten und der Forschungsstelle mit
ihrer intriganten Leitung müßte dafür endlich einmal
ganz grundsätzlich eins auf die Finger gegeben werden, statt
daß sie
jenen Komment ganz einfach selbst einhalten.
Eske Bockelmann
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