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Dr. Herbert Wender
am 13.12.2000 zum Bockelmann-"Statement
in der Sache Poschmann (u. a.) vs. FGB" auf der Homepage
der GBG und FGB Marburg:
Sehr geehrter Herr
Prof. Dedner,
es hat ziemlich lange
gebraucht, bis ich auf das in der letzten Ecke der GBG-Homepage
plazierte Bockelmann-"Statement ... vs. FGB" aufmerksam
wurde. Ich erlaube mir, meine Anmerkungen dazu Ihnen im Annex dieser
Email zu übermitteln, weil Bockelmanns Adresse nicht angegeben ist.
(Ggf. können Sie es ja über Herrn Dr. Mayer zustellen lassen...)
Da zumindest die am 4.11. Anwesenden annehmen müssen, daß Sie Bockelmanns
Statement für eine Antwort auf meine Frage halten, und folglich
auch, daß Bockelmann mich meint, wenn er auf Attacken gegen die
nur vermeintlich "intrigante Leitung" der Forschungsstelle
anspielt, möchte ich Sie hiermit bitten, die als zweite Datei angefügte
HTML-Version meines Schreibens(wender.html) der allmählich wachsenden
Sammlung kontroverser 'Statements' beizugesellen. Für die im Brief
an Bockelmann erwähnte ausführlichere Stellungnahme gegenüber dem
Vorsitzenden der GBG benötige ich noch etwas mehr Zeit, denn nun
liegt das Jahrbuch ja vor, und der Kommentar zu dem, was dort geboten
wird, ist einigermaßen zeitraubend. Vielleicht sollte ich mir das
"Ergo todtgeschwiegen!" zum Grundsatz machen? Ich denke,
ich werde zunächst einmal diejenigen fragen, mit deren Namen Sie
für den Beitritt zur Gesellschaft werben (mitglied.html), ob die
Entwicklung der letzten zehn Jahre sich noch mit dem deckt, was
bei der Gründung, bei der ich ja nicht dabei war, abgesprochen wurde.
Da Sie wohl demnächst das nicht nur zeitlich, sondern auch faktisch
überholte Einladungsschreiben durch das Protokoll der Mitgliederverammlung
ersetzen werden, möchte ich vorsorglich bemerken, daß ich das vor
der Mitgliederversammlung an Sie gerichtete Schreiben, dem die während
der Sitzung behandelten Anträge entnommen waren, als Begründung
eben dieser Anträge während der Sitzung in Kopie verteilt habe.
Ich halte es deshalb für geboten, auch den nichtanwesenden Mitgliedern
diese Begründungen als Anlage zum Protokoll zur Kenntnis zu bringen
Saarbrücken, 5.12.2000
H. Wender
* *
*
Dr. Herbert Wender, Curieweg 18, 66292 Riegelsberg
5.12.2000
Herrn Dr. Eske Bockelmann,
durch die
Forschungsstelle Georg Büchner
etc.
Biegenstraße 36
D-35037 Marburg
Sehr geehrter Herr
Dr. Bockelmann,
in Ihrem "Statement
in der Sache Poschmann (u. a.) vs. FGB" äußern Sie abschließend:
"Ich finde es
degoutant, wenn Poschmann und nunmehr auch andere in einer Frage,
die sich wissenschaftlich beantworten läßt, zetern, da würde wissenschaftlicher
Komment mit Füßen getreten und der Forschungsstelle mit ihrer intriganten
Leitung müßte dafür endlich einmal ganz grundsätzlich eins auf die
Finger gegeben werden, - statt daß sie jenen Komment ganz einfach
selbst einhalten."
Auch wenn ich mich
in Ihren Worten nicht wiedererkenne, so gehöre ich doch wohl insofern
zu den angesprochenen ‚anderen', als nicht zuletzt meine Schreiben
an die Georg Büchner Gesellschaft im Vorfeld der Mitgliederversammlung
vom 4. November d.J. und eine entsprechende Frage während dieser
Mitgliederversammlung die Veröffentlichung Ihres Statements auf
der Homepage der Georg Büchner Gesellschaft veranlaßt haben. Ich
weiß nicht, was für Sie "wissenschaftlicher Komment" ist;
der Begriff ist mir so fremd wie Ihnen ganz offensichtlich das,
was ich unter Angemessenheit im wissenschaftlichen Umgang ganz allgemein
und beim Rezensieren im besonderen verstehe. Was von Ihnen in dieser
Hinsicht zu erwarten ist, weiß man "seit beiläufig zehn Jahren",
doch darum geht es hier nicht. Es geht überhaupt nicht um Sie -
zumindest das haben Sie ja richtig erkannt, und genau das scheinen
Sie nicht zu verkraften. Es ging und geht darum, wie sich der Vorsitzende
der Georg Büchner Gesellschaft seinerzeit, d.h. spätestens nach
dem Erscheinen Ihrer Rezension in der FAZ und ggf. eben auch schon
vorher, wenn er nämlich von den dieser Rezension so ‚förderlichen'
Gesprächen zwischen seinem Ex-Mitarbeiter Bockelmann und seinem
Mitarbeiter Mayer gewußt hätte, dem betroffenen Mitglied Poschmann
gegenüber - und ggf. Ihnen und Mayer gegenüber - verhalten hat bzw.
hätte verhalten sollen. (Zur Beantwortung einer solchen Frage ist
es im übrigen völlig unerheblich, ob der Rezensent ein ‚nützlicher
Idiot' oder ein angestifteter Idiot oder bloß ein Idiot ist; und
wenn Sie sich zu Ihrer Rezension als einer im Wortsinn ganz und
gar idiotischen Leistung bekennen, kann und will ich Ihnen nicht
widersprechen.) Damit Sie sich aber nicht unnötig ärgern, darf ich
Ihnen hier doch am Rande mitteilen, daß mir Ihre Ausführungen zu
den Endverschleifungen in Büchners Handschrift seinerzeit unmittelbar
eingeleuchtet haben. (Ich hatte und habe aber auch den Vorteil,
daß ich auf keine eigene Edition zurückblicke ...) Ich bin ein vehementer
Verfechter der Rehabilitierung des 'gesunden Menschenverstands'
beim Edieren (vgl. demnächst meine Anmerkungen zu Werther-Editionen,
im Band zur Darmstädter Goethe-Tagung 1999 V&R Frühjahr 2001),
und schon deshalb war mir beim Erscheinen von ‚Jahrbuch Nr. 7 (1991)
das philologische Ergebnis Ihrer Beschäftigung mit den Woyzeck-Hss.
außerordentlich sympathisch (im strikten Unterschied zum hochfahrenden
Ton, in dem dieses Ergebnis vorgetragen wurde). Im Bereich der editionspraktischen
Konsequenzen tendiere ich sogar zu einem nochstärkeren Rückschritt
(in Richtung auf Bergemanns Edition):
"Sehn Sie, so
ein schöner, fester, grauer Himmel" (B 1958)
"Sehn Sie, so
einen schönen festen grauen Himmel" (Bockelmann)
"Sehn Sie, so
ein schönen festen grauen Himmel" (TMM)
"Sehn Sie, so
ein schön festen grauen Himmel" (MA 1988, Poschmann)
"Sehn Sie so
ein schön, festen groben Himmel" (HA)
Ich bin wirklich der
letzte, dem daran gelegen wäre, des Außenseiters Verdienst zu schmälern,
der insbesondere darin zu sehen ist, daß der "Unsinn"
(jetzt gar: die "Affenschande"), den beispielhaft Ihr
Freund Mayer 1980 in die Danton-Edition eingeführt hat und der sich
von dort in die wohl verbreitetste Leseausgabe (MA ab 1988) vererbte,
jetzt aufhört (vgl. Repl. 61 im Emendierten Text der MBA). Aber
wie gesagt: In der Georg Büchner Gesellschaft (sind Sie Mitglied?)
geht es derzeit um anderes; in der von Herrn Dedner benutzten Fußballersprache
("Antäuschungen", 1995 im Jahrbuch Nr. 8 gegen Hauschild):
Es war ein Fall von ziemlich üblem Nachtreten, wie Sie die FAZ-Rezension
zu dem 1999 erschienenen Schlußband der Frankfurter Büchner-Ausgabe
als willkommene Gelegenheit benutzten, und was an Ihrer Darstellung
unfair war, konnte niemand besser beurteilen als diejenigen Büchnerforscher,
die mit Herrn Poschmann über lange Jahre zusammengearbeitet hatten.
Was diese aktuell verhandelte und zu verhandelnde "Sache"
betrifft, kann ich mich hier kurz fassen, denn ausführlicher ist
das ohnehin in einem Brief an den, den es angeht: an den Vorsitzenden
der Georg Büchner Gesellschaft nämlich, noch einmal zusammenzufassen.
So wenig es mir um Fragen der Woyzeck-Edition ging und geht, so
wenig geht es mir um die Frage, ob die ‚Forschungsstelle Georg Büchner
...', bei der Sie beschäftigt waren, zugunsten der von ihr mit öffentlicher
Förderung veranstalteten Ausgabe jeden unterstützt, der gegen die
Konkurrenten Poschmann oder Hauschild auftritt, oder ob das nur
der Privatmann tut, dessen Initiative bzw. dessen Planstelle diese
Einrichtung ihre Existenz verdankt. Damit mögen sich die zuständigen
Stellen befassen; mich interessiert das allenfalls insofern, als
diese Forschungsstelle auf die Einbindung der Georg Büchner Gesellschaft
in ihre Aktivitäten besonderen Wert legt, wobei sie sich immerhin
darauf berufen darf, daß der institutionelle Rahmen der Forschungsstelle
für die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft von großem Nutzen ist.
Als Mitglied dieser Gesellschaft, die in Anspruch nimmt, die Büchnerforschung
‚in ihrer ganzen Breite' zu repräsentieren, hatte ich den Vorsitzenden
dieser Gesellschaft um Klarstellung hinsichtlich einer mißverständlichen
Äußerung in seinem Brief an den die Gesellschaft verlassenden Kollegen
gebeten. Ihr Statement klärt nicht alles, aber doch genug:
Der mit dem Vorsitzenden
Dedner gemeinsam das Georg Büchner Jahrbuch herausgebende Ex-Vorsitzende
Mayer, der in Gemeinschaft mit seinem Dienstvorgesetzten an der
Forschungsstelle auch den gerade erschienenen Eröffnungsband der
Marburger Ausgabe herausgegeben hat, wußte von Ihrer Beauftragung
mit der Rezension durch die FAZ-Redaktion und hat Sie u.a. mit ‚Hintergrundmaterial'
versorgt, das Sie sonst im FAZ-Archiv sich hätten besorgen müssen
(und das überdies mit dem Gegenstand der Rezension nur in losem
Zusammenhang steht). Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt? Fürwahr
kein Grund zur Aufregung - wäre nicht Ihre Rezension so bizarr bösartig
ausgefallen, wie es sonst nur einem hätte beifallen können. Daß
dieser andere sich nun im "Fließtext" von Jahrbuch Nr.
9 (2000) noch ausfallender gebärdet als 1993 in den Fußnoten der
"Hund"/"Kater"-Jahresgabe, zeigt überdeutlich,
daß Sie im Herbst 1999 mit dem Richtigen telefoniert haben; und
daß Herr Dedner als Mitherausgeber im Jahr 2000 mitverantwortlich
zeichnet für eine außergewöhnliche Schmutz&Schund-Kampagne,
läßt die Frage, ob er 1999 getäuscht wurde, sich gerne täuschen
ließ oder die im Brief an Poschmann bekundete Ahnungslosigkeit nur
‚angetäuscht' hatte, fast zur Bedeutungslosigkeit absinken.
gez. H. Wender
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