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Büchner, Georg: Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente
in zwei Bänden. Hrsg. von Henri Poschmann. - Frankfurt am Main:
Dt. Klassiker Verl.
- Dichtungen. Hrsg. von Henri Poschmann unter Mitarb. von Rosemarie
Poschmann.
1992. 1018 S. (Bibliothek deutscher Klassiker; 84) DM 148,-
Der Band enthält »das überlieferte künstlerisch-literarische
Werk« Büchners. Darunter begreift der Hrsg. weder die wenigen
Gelegenheitsgedichte des Heranwachsenden, noch die schwungvoll rhetorisierten
Arbeiten des Gymnasiasten, wohingegen die Brotübersetzungen
des Straßburger Exilanten als »Sprach-Kunstwerk-Gestaltungen«
zum »Bestand des dichterischen Werks« erhoben werden. Den »Dichtungen«
schließt sich ein insgesamt eher knapp gehaltener wissenschaftlicher
»Kommentar« an. Der Einleitung des Hrsg. folgen die Einzelapparate:
Sie geben Aufschluß über Textgrundlage und -gestaltung,
histor.-literar. Hintergrund und Quellen des Werks. Entstehung und
Aufnahme werden angedeutet, Struktur und Gehalt umrissen, problematische
Einzelstellen erläutert und ausgewählte Textvarianten
mitgeteilt. Den »ungemein vielfältigen Quellenbezügen«
trägt ein »Quellenanhang« Rechnung; das stattliche Lit.verz.
soll »Wege zu eingehenderer Beschäftigung« weisen. Für
1994 ist ein »zusätzlicher« Band »mit sämtlichen Schriften,
Dokumenten und Briefen« B.s angekündigt. Erst dann wird man
die editorische Leistung, die schon jetzt Respekt verdient, angemessen
beurteilen können, denn durch die grundlegenden Arbeiten von
Th. M. Mayer (Danton's Tod, Entwurf einer Studienausgabe,
1980; Leonce und Lena, krit. Studienausgabe, 1987), Gerhard
Schmid (Woyzeck, Faksimileausgabe mit Transkription, Kommentar
und Lesartenverz., 1981) und Hubert Gersch (Lenz, Studienausgabe,
1984) war dieses »Gesamtresultat sicher fundierter Textbereitstellung
und Kommentierung« zumindest gut vorbereitet. Wenn der Hrsg. sich
bei der Textkonstitution gelegentlich anders entscheidet als seine
Vorgänger, handelt es sich allerdings nur teilweise um objektive
Verbesserungen; unter den hergestellten Texten muß insbesondere
die »kombinierte Werkfassung« des Woyzeck fragwürdig
bleiben. Mit staunenswerter Hartnäckigkeit verschließt
sich der Hrsg. überzeugenden Argumenten und hält an Lesarten,
Deutungen und Überlieferungshypothesen fest, die längst
als obsolet erkannt wurden. Die Seitenhiebe gegen die B.-Forschung,
zu der der Hrsg. seit immerhin rund drei Jahrzehnten durch Editionen,
Monographien und Aufsätze ganz wesentlich beigetragen hat,
können als diskrete Selbstkritik gelesen werden. Immerhin kann
er mit diesem Band seine erste, mißglückte Werkausgabe
von 1964 vergessen machen (zur 2. Aufl. vgl. Germanistik.
10. 1969. Nr. 855), was nicht jedem Editor vergönnt ist.
Jan-Christoph Hauschild, Düsseldorf
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