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Büchner, Georg: Sämtliche Werke, Briefe
und Dokumente. In 2 Bänden. Hrsg. von Henri Poschmann. - Frankfurt
am Main: Dt. Klassiker-Verl. ISBN 3-618-60093-3: DM 298.00 (2 Bde
zs.)
- Schriften, Briefe, Dokumente. Hrsg. von Henri
Poschmann unter Mitarb. von Rosemarie Poschmann. 1999. 1283 S.
(Bibliothek deutscher Klassiker; 169)
ISBN 3-618-60100-X
Es ist das Schicksal Georg Büchners, Autor
des wohl bedeutendsten Dramenfragments der Weltlit., daß sein
schmales Werk in Gänze nie angemessen ediert und kommentiert
wurde, daß diese Editionen mehr oder weniger alle selbst Fragment
geblieben sind, so als wollten sie mit den Woyzeck-Bruchstücken
wetteifern. Die ersten Editionsversuche, noch in den 1830er Jahren
von K. Gutzkow und B.s Schulfreund G. Zimmermann unternommen, blieben
ganz auf der Strecke; K. E. Franzos scheiterte vierzig Jahre später
an seiner Überbeanspruchung als Reisejournalist und Romancier.
Zu einem Desaster eigener Art entwickelte sich hundert Jahre später
die fälschlich als »hist.-krit.« deklarierte Ausg. von W. R.
Lehmann (vgl. zuletzt Germanistik 16. 1975. Nr. 1352); der
geplante Abschlußbd. mit Lesarten und Kommentar ist nie erschienen.
Die mit dem zweiten Bd. nun komplett vorl. Ausg.
des Klassiker-Verlags beansprucht für sich, erstmals »den ganzen
Büchner« zu enthalten: Der erste Bd. (vgl. Germanistik
34. 1993. Nr. 4413.) umfaßt die »Dichtungen«, der zweite laut
Klappentext »alle Schriften und Briefe« B.s und eine nicht genannte
Zahl von »Dokumenten« - laut Inhaltsverz. sind es gerade mal zehn,
einige weitere sind unauffindbar im Kommentar versteckt. Zur angestrebten
Vollständigkeit (unter Einschluß von »Lebens- und Wirkungszeugnissen«)
hat es allerdings nicht gelangt: Die (hier durchaus entbehrliche)
Masse der Schriften des Schülers und die (von Poschmann unterschätzten)
Exzerpte zur griechischen Philosophie fehlen ebenso wie der Wechselbrief
über 100 Gulden an den Verleger Sauerländer und weitere
eigenhändige Lebenszeugnisse sowie der größte Teil
der biographisch aufschlußreichen Gerichtsakten und Behördenberichte
über B.s Anteil an der Gründung revolutionärer Geheimgesellschaften
und an der Entstehung und Verbreitung des Hessischen Landboten.
- Leider zeigt seine editorische Praxis den Hrsg. weiter auf
dem Eilmarsch in die Eigenbrötlerei. Obendrein wird seine philologische
und hermeneutische Ernsthaftigkeit durch eine unerhörte, bisweilen
ins Surreale (1074, 8f.) gesteigerte Streitlust getrübt, die
seine Kommentare zum Tummelplatz privater Ranküne macht. Allzu
gern weidet er sich an fremdem Unverstand; am liebsten teilt er
dem Leser obsolete Fehllesungen aus der Pionierzeit der B.-Philologie
mit. Von einem Reg. keine Spur: Schon allein deshalb wird man auf
das alte Insel-Taschenbuch nicht verzichten können.
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