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Informationen für den Geschichts-
und Gemeinschaftskundelehrer / Verband der Geschichtslehrer Deutschlands.
Frankfurt am Main. Jg. 1993, Heft 46, S.99f.
Georg Büchner: Dichtungen
hrsg. von Henri Poschmann unter Mitarbeit von Rosemarie Poschmann
(1992), 1018 Seiten, Ln., 148,- DM, Deutscher Klassiker Verlag,
Frankfurt/M.
Interesse an und Gegenwärtigkeit von Georg Büchner sind ungebrochen.
Der anzuzeigende Band, dessen zweiter “Schriften, Briefe und Dokumente"
enthalten wird, bietet die Dramen (Dantons Tod, Leonce und Lena,
Woyzeck), das Erzählfragment Lenz und die Übersetzung der beiden
Dramen von Victor Hugo (Lucretia Borgia, Maria Tudor) nach den originalen
Überlieferungsträgern, Handschriften bzw. kritisch überprüften Erstdrucken
in einer Genauigkeit und Vollständigkeit, wie sie bisher noch nicht
erreicht worden sind. Insofern würde die neue Edition, die freilich
nicht für sich beansprucht, “die Defizite der Überlieferung wettzumachen,
wohl aber erweiterte und gründlich revidierte Grundlagen für die
Beschäftigung mit Büchners literarischem Werke in möglichst authentischer
und lesbarer Gestalt bereitzustellen", schon unter diesem Aspekt
einen Meilenstein der textkritischen Bemühungen um Georg Büchner
markieren.
Mit welcher Akribie hier vorzugehen
war, erweist sich vor allem am “Woyzeck", jenem im Nachlaß
vorgefundenen und auf einer Hauptfassung, zwei Teilentwürfen und
einem Ergänzungsentwurf beruhenden Dramentext. Sicherlich kam bereits
bei der souveränen Bewältigung der Probleme der Textkonstitution
Henri Poschmann der Umstand zustatten, daß er seit langen Jahren
zur Phalanx der renommierten Büchner-Forscher zu rechnen ist (zu
verweisen wäre vornehmlich auf seine bahnbrechende Monographie “Georg
Büchner. Dichtung der Revolution und Revolution der Dichtung").
Diese intime Kennerschaft spielt Poschmann vor allem in jenem Part
aus, der - mit “Kommentar" überschrieben - bei jedem Werk Textgrundlage
und Textgestaltung, historischen Hintergrund, Quellen, Struktur
und Gestalt, Stellenerläuterungen und Überlieferungsvarianten in
einer umsichtigen und differenzierten Manier entfaltet, die die
Ergebnisse der enorm angeschwollenen Büchner-Forschung sich kompetent
und weiterführend zunutze macht. Was hier an aufhellender Information
und konkreter Verständnishilfe in luzider Form und übergreifender
Verknüpfung dem Benutzer an die Hand gegeben wird, verdient höchste
Bewunderung. Selbst der Kundige ist vor punktuellen Überraschungen
nicht sicher. Dem Verlag gebührt Dank für die technische Umsetzung,
die mit der inhaltlichen Qualität Schritt hält und mit der weithin
üblich gewordenen formalen Sorglosigkeit nichts gemein hat. Es wäre
erfreulich, wenn dieses bemerkenswerte Resultat Herausgeber und
Verlag beflügelte, den mit intensiven Erwartungen verknüpften zweiten
Band in absehbarer Zeit vorzulegen.
Seeheim
Werner Ripper
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